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Abgeschickt von H. Müller-Burzler am 24 Juni, 2001 um 10:46:03:
Antwort auf: Darmpilz ??? von Andreas am 23 Juni, 2001 um 22:36:09:
Hallo Andreas,
1. meistens ist ein chronischer Durchfall die Folge einer Verdauungsschwäche der Bauchspeicheldrüse. Werden nämlich weniger Verdauungsenzyme gebildet als zur Verdauung, das heißt Zerlegung der Nahrung nötig sind, wird die Nahrung nicht mehr richtig verdaut und beginnt im Darm zu faulen und/oder zu gären. Die Symptome sind Blähungen, Völlegefühl sowie weiche Stühle bis Durchfälle. Allerdings kann im Anfangsstadium einer solchen Verdauungsschwäche auch Verstopfung auftreten, da die Fäulnis- und Gärungsgifte die Darmnerven (Plexus coeliacus und rectalis etc.) lähmen, wodurch es dann zu einer verringerten Fortbewegung der Nahrung im Dickdarm (Peristaltik) kommt. Je stärker jedoch die Verdauungsschwäche ist, desto intensiver sind die Fäulnisprozesse im Darm und eine eventuelle Verstopfung geht in das nächste Stadium, die weichen Stühle bis Durchfälle über. Aber wie gesagt, die Verstopfungsphase kann auch übersprungen werden.
2. Eine andere ebenso häufig vorkommende Ursache für Durchfälle sind allergische Darmreizungen. Wenn sich Allergien nicht über die Haut (= Neurodermitis) oder die Atemwege (z. B. Asthma oder allergische Bronchitis) auswirken, sondern über den Darm, kann es zu mehr oder weniger starken Durchfällen kommen. Die allergischen Reaktionsorte sind dann die Dünndarm- und/oder die Dickdarmschleimhaut (ausführlicher und mit Fallbeispiel im Handbuch für Allergiker und im Artikel Alle Allergien sind heilbar) .
3. Aber auch die Milchzuckerintoleranz kommt immer häufiger vor, deren Folge ebenfalls Durchfälle und Blähungen sind. Die Ursache dafür ist eine nachlassende Bildung des milchzuckerspaltenden Enzyms Laktase in bestimmten Dünndarmdrüsen. Dass zunehmend mehr Menschen davon betroffen sind, ist ebenso wie bei den vielen allergischen Erkrankungen häufig auf eine toxische Belastung des Körpers mit Umweltgiften und/oder chemisch-pharmazeutischen Medikamenten zurückzuführen, wodurch auch diese Dünndarmdrüsen in ihrer Funktion nachlassen. Man sollte hierbei jedoch bedenken, dass viele Asiaten im Jugend- und Erwachsenenalter genetisch bedingt kaum noch oder keine Laktase mehr bilden und somit auch keinen Milchzucker mehr verdauen können. Um herauszufinden, ob man eine Loktoseintoleranz hat, meidet man einfach alle milchzuckerhaltigen Produkte für einige Tage in seiner Ernährung. Dazu gehören Milch, Joghurt, Kefir, Quark und Sahne aller milchgebenden Tiere. Nur Butter und Käse, besonders die harten Sorten, enthalten kaum noch Milchzucker, weshalb diese Produkte während dieser Testphase gegessen werden können. Reagiert man dennoch zum Beispiel auf Käse mit Durchfall, liegt vermutlich keine Milchzuckerintoleranz sondern eine Milcheiweißallergie vor. Oder die Verdauungskraft ist so schwach, dass das im Käse vorhandene Eiweiß nicht vollständig verdaut werden kann. Natürlich kann man neben einer Milchzuckerintoleranz auch eine Milcheiweißallergie haben. Heutzutage kommt diese Kombination sogar relativ häufig vor. Weitere Informationen zu diesem Thema erfahren Sie unter www.laktonet.de.
4. Neben diesen sehr häufig vorkommenden Ursachen für Durchfall sollte man aber auch an die Sprue (Zöliakie bei Kindern) denken, wobei es sich um eine allergieähnliche Glutenunverträglichkeit der Dünndarmschleimhaut handelt. Beim Gluten handelt es sich um ein bestimmtes Getreideeiweiß, das vor allem in Weizen, Dinkel, Roggen, Hafer und Gerste vorkommt. Reis, Hirse, Amaranth, Quinoa und Mais sind glutenfrei und lösen dann keine Durchfälle aus.
5. Weitere Ursachen für chronischen Durchfall können aber auch Krankheiten wie Morbus Crohn und Kolitis ulcerosa sein, wobei allerdings in der Regel auch Darmschmerzen und Blut im Stuhl vorkommen, weshalb diese Erkrankungen bei Ihnen vermutlich ausgeschlossen werden können.
Mit großer Wahrscheinlichkeit werden Ihre Durchfälle, wenn keine Milchzuckerintoleranz vorliegt, daher durch eine Enzymschwäche der Bauchspeicheldrüse ausgelöst, wofür auch die Blähungen und das Völlegefühl sprechen, und stehen möglicherweise auch mit Allergien in Verbindung, die sich zusätzlich über die Dünn- und/oder Dickdarmschleimhaut auswirken.
Da aufgrund von Fäulnis- und Gärungsprozessen infolge einer Verdauungsschwäche auch die Darmflora erkrankt und Darmpilze entstehen können, werden Sie mit Sicherheit auch eine kranke Darmflora haben. Die primäre Ursache für Ihre Darmbeschwerden sind diese Florastörungen und Pilze jedoch nicht!
Heilen können Sie Ihre Beschwerden nur, wenn Sie eine möglicherweise geschwächte Verdauungskraft aufbauen und Ihren Körper entgiften, wodurch sich automatisch auch mögliche Allergien verlieren und eine Milchzuckerintoleranz deutlich verbessert. Wie Sie hierbei genau vorgehen müssen, habe ich ausführlich in Gesund und Allergiefrei beschrieben. Im Übrigen werden in diesem Buch alle Ihre Fragen ausführlich beantwortet. Für das weitere Verständnis dieser Zusammenhänge lesen Sie bitte auch die Antworten Re: Blähungen, Re: Heilung von Darmpilzen und weißem Soor sowie Re: Genitalpilz und den Artikel Die sieben Säulen einer gesunden Ernährung.
Viele Grüße H. Müller-Burzler