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Artikel vom 13.03.2020, aktualisiert am 22.08.2020


Das Immunsystem mit der Ernährung stärken

von Henning Müller-Burzler

 

Dieser Artikel enthält wichtige Informationen, wie man mit einer gesunden, ausgewogenen und harmonisch kombinierten Ernährung das Immunsystem stärken kann. Die Empfehlungen sind nicht nur bezüglich einer Infektion mit Grippe-, Rhino- und Coronaviren, wie SARS-CoV-2 (Covid-19), von Bedeutung, sondern auch für eine bessere Immunsituation bei allen anderen Infektionen mit Viren, Bakterien und Parasiten (Eppstein-Barr-Viren, Coxsackieviren, Adenoviren, Borrelien, Streptokokken, Staphylokokken, Pärchenegel etc.) sowie bei Allergien, Autoimmunerkrankungen, Krebs und vielen weiteren Erkrankungen.

Coronaviren sind nicht neu

In Bezug auf die Coronaviren ist es wichtig zu wissen, dass diese nicht neu sind, sondern erstmals Mitte der 1960er Jahre identifiziert wurden. Einerseits können sie für sich allein Rachen- und Atemwegsinfektionen verursachen, andererseits sind sie zu 5 bis 15 % an den Virencocktails der Grippewellen beteiligt. Grippe- und Coronaviren sowie viele weitere Virenarten mutieren ständig, um sich in ihren Wirten vermehren und ausbreiten zu können.

Das Coronavirus SARS-CoV-2 (Covid-19) gehört deshalb zu den aggressiveren Coronavirus-Varienten, weil es bei stärker geschwächtem Immunsystem ohne bereits vorhandene Antikörper gegen dieses Virus oder eine Kreuzimmunität schwere Krankheitssymptome und -verläufe verursachen kann.
     Aufgrund einer Studie der Universitätsklinik Tübingen, die am 16. Juni 2020 veröffentlicht wurde (www.researchsquare.com/article/rs-35331/v1), könnte ein großer Teil der Bevölkerung eine mehr oder weniger starke Kreuzimmunität gegen SARS-CoV-2 durch frühere Infektionen mit anderen Coronaviren haben. In der Studie haben 81 Prozent von 185 untersuchten Blutproben von Personen, die zuvor keinen Kontakt mit SARS-CoV-2 hatten, eine kreuzreaktive Immunantwort auf dieses Virus. Wie stark diese Immunantwort bei dem davon betroffenen Teil der Bevölkerung ist, soll durch weitere Studien herausgefunden werden (siehe die Artikel im Deutschen Ärzteblatt und vom Universitätsklinikum Tübingen: "T-Zellen gegen saisonale Coronaviren erkennen auch SARS-CoV-2" und "Falschmeldung zu SARS-CoV-2-Forschungsergebnissen").
     Personen mit einer Kreuzimmunität bilden, je nach der Intensität der Immunantwort, entsprechende Killerzellen (T-Lymphozyten, T-Zellen), die die mit den Viren infizierten Körperzellen zerstören, weshalb sie entweder einen mehr oder weniger abgeschwächten Krankheitsverlauf haben oder keine Symptome entwickeln.

Sowohl diese spezifische Immunreaktion als auch das unspezifische Immunsystem können mit der Ernährung und einer gesunden Lebensweise sehr gut gestärkt werden. Dadurch können die Krankheitserreger dann besser überwunden werden, so dass man nach einer Infektion schwächer oder gar nicht erkrankt.

Bedeutende Faktoren für ein starkes Immunsystem

Unser Immunsystem wird durch viele Faktoren beeinflusst. Die vier nachfolgenden Faktoren gehören zu den wichtigsten:

Gute Nährstoffversorgung: Zum einen ist ein gesundes Immunsystem von einer guten Nährstoffversorgung des Körpers mit hochwertigem Eiweiß, ungesättigten Fettsäuren und bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen abhängig.

Gesundes Darmmilieu: Zum anderen ist für eine gute Immunsituation ein gesundes Darmmilieu von entscheidender Bedeutung. Denn 70 bis 80 Prozent der Lymphknoten, die ein wichtiger Teil des Abwehrsystems sind, befinden sich im Darm.
     Ein krankes Darmmilieu stellt nicht nur eine hohe Belastung für das Immunsystem dar, sondern schwächt dieses auch. Aus diesem Grund sind darmflorafreundliche, gesunde Lebensmittel und für die Darmflora harmonisch kombinierte Mahlzeiten ausgesprochen wichtig für ein starkes Immunsystem.
     Eine gesunde Verdauungsleistung des Magens und der Bauchspeicheldrüse sind ebenfalls wichtig, weil die gesündeste Nahrung im Darm zu „Gift" wird, wenn sie nicht richtig verdaut werden kann.

Geringe Umweltbelastungen: Des Weiteren gibt es mehrere Umweltfaktoren, die negativ auf unser Immunsystem wirken und dieses schwächen können (Pestizide, Strahlungsbelastungen etc.). Diese sollten möglichst gering gehalten werden.

Psychische Verfassung: Neben diesen drei wichtigen physischen Faktoren spielt auch die psychische Verfassung eine bedeutende Rolle für ein starkes Immunsystem. Vor allem Ängste, Ärger und länger anhaltende Stresszustände können zu einer starken Schwächung des Immunsystems führen. Harmonische Lebensverhältnisse ohne Ängste sowie Vertrauen und Sicherheit wirken sich hingegen positiv auf die Immunkraft aus.

Optimale Stärkung des Immunsystems mit der Ernährung

Um das Immunsystem mit der Ernährung zu stärken, ist die Einhaltung beziehungsweise Umsetzung folgender Empfehlungen aufgrund von jahrzehntelanger Anwendungs- und Praxiserfahrung ausgesprochen wirkungsvoll:

1. Ausgewogene Ernährung mit guter Nährstoffversorgung

Um das Immunsystem gezielt mit der Ernährung zu stärken, sollte die verzehrte Nahrung alle lebensnotwendigen und für das Immunsystem wichtigen Nährstoffe in ausreichenden Mengen enthalten. Dazu gehören neben hochwertigem Eiweiß und mehrfach ungesättigten Fettsäuren vor allem einige Vitamine und Mineralstoffe. Besonders wichtig sind diesbezüglich Vitamin C, Beta-Carotin, die B-Vitamine, Vitamin E und D sowie die Mineralstoffe Zink, Kupfer und Selen.

Vitamin-C-reiches Obst und Gemüse, wie Kiwis, Papayas, Erdbeeren, Apfelsinen und andere Zitrusfrüchte, Paprika, Rosenkohl, Grünkohl, Brokkoli und alle anderen Kohlarten, sowie Beta-Carotin-reiche Lebensmittel, wozu vor allem Möhren, Bataten (Süßkartoffeln), Grünkohl, Feldsalat, Hokkaidokürbis, roter, orangener und gelber Paprika, Petersilienblätter, Löwenzahnblätter und viele grüne Wildkräuter, Aprikosen, Mangos, Honigmelonen und Kakis gehören, sollten deshalb täglich auf dem Speiseplan stehen. Empfehlenswert ist diesbezüglich auch frisch gepresster Gemüsesaft mit etwas pflanzlichem Öl zur besseren Carotinoidverwertung.
     Besonders reich an Zink, Kupfer und B-Vitaminen, mit Ausnahme von Vitamin B12, sind vor allem ungeschälte Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide und die meisten Pseudogetreidearten, wie Buchweizen, Quinoa und Amaranth, viele Nüsse und Ölsamen sowie deren vollwertige Produkte.
     Die besten Vitamin-E-Quellen mit einem relativen Vitamin-E-Überschuss (positiven Netto-Vitamin-E-Gehalt) sind dagegen Sonnenblumenkerne, Mandeln und Haselnüsse, kaltgepresstes Weizenkeimöl, Sonnenblumenöl, Distelöl und Maiskeimöl sowie einige Gemüsearten.

Auch wenn Vitamin C zu den wichtigsten "Waffen" gegen Viren und krankmachende Bakterien gehört, kann es seine maximalen Wirkungen nur in Verbindung mit weiteren Nährstoffen im Körper erfüllen. Dazu gehört neben den oben aufgezählten Substanzen auch Coenzym Q10, das bei gesunden Stoffwechselverhältnissen im Körper gebildet wird und dann nicht mit der Nahrung oder Nahrungsergänzungsmitteln aufgenommen werden muss. Coenzym Q10 kommt vor allem in Fleisch, Fisch, Eiern und Olivenöl und in deutlich geringeren Mengen in Milchprodukten und anderen pflanzlichen Lebensmitteln vor.

Ausführlich und mit vielen Tipps und Anwendungsbeispielen wird eine immunstärkende, ausgewogene vegane, laktovegetarische und nicht-vegetarische Ernährung im Buch „Die Nährstoff-Geheimnisse der Methusalem-Ernährung – Gesund und fit durch eine optimale Versorgung mit den Bausteinen des Lebens" beschrieben.

Informationen bezüglich einer immunstärkenden Nährstoffkombination mit natürlichen Vitaminen und Mineralstoffen erhalten Sie im Artikel "Therapie und Selbstbehandlung des Epstein-Barr-Virus (EBV) und anderer Virus- und Bakterienerkrankungen".

2. Vermeidung von raffiniertem und auskristallisiertem Zucker

Als nächstes sollten Lebensmittel, die raffinierten oder auskristallisierten weißen oder braunen Zucker enthalten, möglichst gemieden werden. Denn raffinierte und auskristallisierte weiße und braune Zuckerarten führen erfahrungsgemäß, je nach der verzehrten Menge, zu einer mehr oder weniger starken Erkrankung der Darmflora mit der Entstehung von Darmpilzen. Zusätzlich wird das Immunsystem durch den Verzehr derartiger Zuckerarten geschwächt.
     Anstelle dieser ungesunden Zuckerarten können Vollrohrzucker, echter Honig, Agavendicksaft, Ahornsirup, Palmblütenzucker, Zuckerrübensirup und andere vollwertige Zuckerarten und Süßungsmittel verwendet werden. Diese haben eine deutlich positivere Wirkung auf die Darmflora und das Immunsystem.

3. Verwendung von natürlichen Lebensmitteln

Des Weiteren sollten die verzehrten Lebensmittel so natürlich wie möglich sein. Denn neben den raffinierten und auskristallisierten weißen und braunen Zuckerarten haben auch andere stark veränderte und verarbeitete Lebensmittel zumeist eine schwächende Wirkung auf die Darmflora und das Immunsystem. Dazu gehören unter anderem raffinierte und teilraffinierte (desodorierte bzw. gedämpfte) Öle und Fette, alle Auszugsmehle, wie die Mehltypen 405, 550 und 1050, und geschälter weißer Reis sowie alle Produkte, in denen sie enthalten sind oder die daraus hergestellt werden, wie zum Beispiel Weißmehlnudeln.

4. Überwiegender Verzehr von pflanzlichen Lebensmitteln

Weil naturbelassene pflanzliche Lebensmittel im rohen oder gekochten beziehungsweise schonend erhitzten Zustand die besten Wirkungen auf die menschliche Darmflora haben, besteht eine besonders immunstärkende Ernährung ausschließlich oder überwiegend aus vollwertigen pflanzlichen Lebensmitteln.
     Fleisch, Fisch und Eier haben sowohl für die menschliche Darmflora als auch für unser Immunsystem keine optimalen Eigenschaften, weshalb diese Lebensmittel nicht zu häufig und in nicht zu großen Mengen verzehrt werden sollten. Diese Empfehlung entspricht auch den Aussagen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), die ebenfalls einen mäßigen Verzehr von Fleisch, Fisch und Eiern empfiehlt (siehe "Fleisch, Wurst, Fisch und Eier" auf www.dge-ernaehrungskreis.de).
     Wenn Milchprodukte verzehrt werden, sollten diese möglichst aus biologischer Landwirtschaft stammen.

5. Richtig zubereitete und harmonisch kombinierte Lebensmittel

Zu guter Letzt haben richtig zubereitete und harmonisch kombinierte natürliche Lebensmittel eine zentrale Bedeutung für ein gesundes Darmmilieu und starkes Immunsystem. Mit der Anwendung dieses Wissens können viele Infektionskrankheiten erfahrungsgemäß wesentlich schneller und leichter überwunden werden.
     Weil diese Zusammenhänge weitgehend unbekannt sind, werden die wichtigsten Faktoren nachfolgend kurz aufgelistet.

Im Buch „Die Grundregeln der Methusalem-Ernährung – für einen gesunden Darm und ein starkes Immunsystem" wird dieses Thema ausführlich und sehr praxisnah mit vielen Anwendungsbeispielen und Tipps für das Frühstück, Mittag- und Abendessen beschrieben.

Saure-Früchte-Regel: Fruchtsäurereiche, saure Früchte vertragen sich im frischen und getrockneten Zustand nicht mit Getreide, Pseudogetreide, Hülsenfrüchten, Maronen und Gemüse, inklusive Kräutern, Algen und Pilzen, und deren Produkten in derselben Mahlzeit. Werden sie gemeinsam verzehrt, können dadurch mehr oder weniger starke Darmflorastörungen und Darmpilze entstehen, wodurch es zu einer Schwächung des Immunsystems kommt. Derartige Kombinationen sind zwar weit verbreitet, für ein gesünderes Darmmilieu und ein starkes Immunsystem sollten sie jedoch gemieden werden.
    Fruchtsäurearme, süße Früchte können hingegen besser mit den oben genannten Lebensmitteln in einer Mahlzeit kombiniert werden, ohne dass dadurch stärkere Darmflorastörungen und Darmpilze entstehen.

Salz-Regel: Vergleichbare Darmflorastörungen und Darmpilzerkrankungen mit entsprechender Immunschwächung entstehen durch den Verzehr von allen rohen Samen und deren rohen Produkten mit Salz. Denn rohe Samen sind erfahrungsgemäß nicht mit Salz im Magen-Darm-Trakt verträglich. Aus diesem Grund sollten alle Samen, wie Getreide, Pseudogetreide, Nüsse und Ölsamen und Gewürzsamen, nur dann mit Salz oder salzhaltigen Lebensmitteln gemeinsam verzehrt werden, wenn sie zuvor ausreichend lange erhitzt wurden.
     Diese Empfehlung betrifft auch alle verarbeiteten Lebensmittel, die Samen enthalten oder die aus deren Schroten oder Mehlen hergestellt wurden. Nur wenn diese Produkte ausreichend lange mit mindestens 95 °C erhitzt wurden, sind sie salzverträglich und führen beim Verzehr mit Salz oder salzhaltigen Lebensmitteln nicht zu Darmflorastörungen und Darmpilzen und schwächen dann auch nicht das Immunsystem.

Fleisch-Fisch-Ei-Regel: Wenn Fleisch, Fisch oder Eier verzehrt werden, sollten sie möglichst darmflorafreundlich kombiniert werden. Unverträglich sind Fleisch, Fisch und Eier erfahrungsgemäß mit Vollkornerzeugnissen, Hülsenfrüchten, Nüssen und Ölsamen und deren vollwertigen Produkten in derselben Mahlzeit. Sehr gut verträglich sind sie dagegen mit allen anderen tierischen Lebensmitteln, wie Milchprodukten, sowie mit Gemüse, inklusive Kartoffeln, Algen und Pilzen, und Obst.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in meinen Büchern und im Artikel "Die sieben Säulen einer gesunden Ernährung".