Ergänzungsartikel zum Buch „Die Nährstoff-Geheimnisse der Methusalem-Ernährung“ vom 07.07.2026
von Henning Müller-Burzler
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Wenn es um unsere Gesundheit geht, wird in der heutigen Zeit vor allem auf wichtige Nährstoffe geachtet. Dabei stehen in erster Linie hochwertiges Eiweiß, mehrfach ungesättigte Fettsäuren,
Vitamine und Mineralstoffe, inklusive wichtiger Spurenelemente, wie Selen, Silizium und Lithium, im derzeitigen Fokus.
Ein wichtiger Nährstoff wird dabei aber meistens übersehen oder vergessen. Dabei handelt es sich um Cholin, das ein wichtiger Bestandteil unserer Nahrung ist, aber nicht mit
allen Lebensmitteln und Ernährungsweisen in ausreichenden Mengen aufgenommen wird. Aus dem Grund haben heute viele Menschen, die sich zumeist unwissentlich oder aus Krankheitsgründen von
cholinarmen Lebensmitteln ernähren, einen mehr oder weniger starken Cholinmangel, wodurch mit der Zeit mehrere Symptome und Krankheiten entstehen oder verstärkt werden können.
Cholin kann zwar auch in einem gesunden Stoffwechsel aus einer anderen Substanz, dem Phosphatidylethanolamin, mit Hilfe der essenziellen Aminosäure Methionin hergestellt werden, jedoch ist diese Menge sehr gering und es wird dabei auch relativ viel Methionin beziehungsweise seine aktive Form S-Adenosyl-Methionin (SAMe) verbraucht. Phosphatidylethanolamin wird größtenteils im Körper hergestellt und teilweise auch mit der Nahrung aufgenommen.
Was ist Cholin und wofür wird es benötigt?
Cholin ist eine organische, stickstoffhaltige Verbindung, die in unserem Körper genauso wichtig wie hochwertiges Eiweiß und gesunde Fette beziehungsweise mehrfach ungesättigte Fettsäuren ist.
Cholin hat vor allem fünf zentrale Aufgaben und Funktionen:
Gesunde Nerven- und Gehirnfunktionen: Es wird für gesunde Nerven- und Gehirnfunktionen benötigt.
Darüber hinaus ist Cholin wichtig für die Hormon- und Enzymsynthese und den Kreatinstoffwechsel der Muskeln.
Fazit: Cholin hat somit eine große Bedeutung für gesunde Zellfunktionen, insbesondere für gesunde, entspannte Nerven- und Gehirnfunktionen mit einer guten Konzentrationsfähigkeit und Gedächtnisleistung sowie für einen gesunden Fettstoffwechsel und Schlaf.
Hauptsymptome eines Cholinmangels
Wenn Cholin zu wenig mit der Nahrung aufgenommen wird, was heute immer häufiger vorkommt, können nach mehreren Monaten bis Jahren immer mehr Störungen im Körper entstehen. Diese entstehen somit nicht sofort, sondern erst mit der Zeit. Vor allem bei der Entstehung der Nerven- und Gehirnstörungen vergehen nicht selten mehrere Jahre, bis sich nach und nach immer mehr Beschwerden in diesen Bereichen entwickeln.
Dazu gehören unter anderem:
Cholinbedarf und Versorgung
Tagesbedarf von Cholin für Erwachsene: 400 mg
Von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wird ein Cholinbedarf für erwachsene Männer und Frauen von 400 mg angegeben. In den USA werden vom Institute of Medicine für Männer hingegen 550 mg Cholin und für Frauen 425 mg Cholin täglich empfohlen.
Berechnet man die Cholinaufnahme von verschiedenen Ernährungsweisen in Deutschland, liegt diesbezüglich nicht selten ein mehr oder weniger großer Mangel vor. Besonders gut lässt sich dies mit der ausführlichen Tabelle der USDA Database for the Choline Content of Common Foods nachrechnen, siehe hierzu die entsprechende PDF: https://www.ars.usda.gov/ARSUserFiles/80400525/data/choline/choln02.pdf
Der Einfachheit halber hier eine kurze Übersicht bezüglich des Cholingehalts in unserer Nahrung pro 100 g:
| Hühnerei | 250 - 290 mg |
| 1 Hühnerei (50 g) | 125 - 150 mg |
| Eigelb | 680 - 820 mg |
| Fleisch | 60 - 90 mg |
| Rinder- und Schweineleber |
330 - 420 mg |
| Fisch | 65 - 85 mg |
| Milch/Joghurt | 15 mg |
| Quark/Hüttenkäse | 20 - 25 mg |
| Käse | 15 - 25 mg |
| Getreide, Pseudogetreide | 30 - 70 mg (je nach Art und Sorte) |
| Haferflocken | 40 - 45 mg |
| Vollkornbrot | 15 - 25 mg (je nach Getreidart und Sorte) |
| Hülsenfrüchte | 30 - 80 mg (je nach Art und Sorte) |
| Erdnüsse | 50 mg |
| Nüsse | 40 - 60 mg |
| Ölsamen | 55 - 70 mg |
| Gemüse | 5 - 45 mg (je nach Art und Sorte) |
| Kartoffeln | 13 mg |
| Obst | 3 - 10 mg (je nach Art und Sorte) |
Aufgrund dieser Übersicht wird verständlich, warum in den meisten Ernährungsempfehlungen geraten wird, auf tierische Lebensmittel, insbesondere Eier, nicht zu verzichten. Denn tierische Lebensmittel enthalten nicht nur relativ viel Cholin, sondern auch das lebenswichtige Vitamin B12. Flüssige Milch und Milchprodukte, wie Joghurt und Dickmilch, liefern zudem viel Vitamin B2 und Calcium. Bei vegetarischer Ernährungsweise würde sich deshalb eine ovolaktovegetarische Ernährung anbieten, mit der der Cholinbedarf relativ leicht abgedeckt werden kann.
Bei einer reinen laktovegetarischen Ernährung ohne Eier wird es bereits schwierig, den Tagesbedarf für Cholin von 400 mg zu erreichen. Dies ist auch dann der Fall, wenn man
täglich 0,7 Liter Milch oder Joghurt verzehrt und damit rund 100 mg Cholin aufnimmt. Aus dem Grund gelten für die laktovegetarische Ernährung dieselben Empfehlungen wie für rein vegane
Ernährungsweisen, bei denen auf alle tierischen Lebensmittel, mit möglicher Ausnahme von Honig, verzichtet wird.
Gute Cholinversorgung bei laktovegetarischer und veganer Ernährung
Viele Menschen möchten in der heutigen Zeit aus gesundheitlichen oder anderen Gründen entweder rein laktovegetarisch ohne Eier leben oder auf tierische Lebensmittel ganz verzichten. In diesem Fall sollte nicht nur auf eine gute Versorgung mit Cholin geachtet werden, sondern auch auf ausreichende Mengen an Vitamin B12, Folsäure und anderen B-Vitaminen. Ebenso wichtig sind hochwertiges Eiweiß mit den essenziellen Aminosäuren Lysin und Methionin sowie Calcium und gut verwertbares Eisen und Zink.
Laktovegetarische Ernährungsweisen enthalten häufig nicht mehr als durchschnittlich 300 mg Cholin pro Tag und vegane Ernährungsweisen nicht mehr als 200 bis 250 mg Cholin pro
Tag. Denn mit den meisten normalen pflanzlichen Lebensmitteln mit oder ohne normalen Mengen an Milchprodukten ist es kaum möglich, mehr Cholin aufzunehmen.
Es stellt sich daher die Frage, wie eine laktovegetarische und vegane Ernährungsweise auf natürliche Weise mit normalen Lebensmittelmengen ausreichend viel Cholin enthalten kann und kurz- oder
langfristig nicht zu einem Cholinmangel führt. Dies funktioniert nur, wenn das gesamte aufgenommene Cholin für den Cholinstoffwechsel der Körperzellen, Nerven und Leber zur Verfügung steht und
das anfallende Homocystein, bei dem es sich um demethyliertes Methionin handelt, entweder mit ausreichend viel Vitamin B12 und Folsäure zu Methionin recycelt (remethyliert) oder mit Hilfe von
Vitamin B6 weiter abgebaut wird.
Auf keinen Fall sollte bei einer laktovegetarischen und veganen Ernährungsweise die relativ geringe Cholinmenge für die Remethylierung des Homocysteins verwendet werden, was
grundsätzlich auch nur der Ersatz- und nicht der Hauptweg der Homocystein-Regeneration ist. Es sollte deshalb immer genügend Vitamin B12 und Folsäure für diese wichtige biochemische Reaktion zur
Verfügung stehen.
Möglich ist dies in erster Linie mit einer guten Vitamin-B12- und Folsäureversorgung mit der Nahrung. Diese beiden B-Vitamine werden jedoch von vielen Menschen zu wenig mit der Nahrung
aufgenommen, weshalb vor allem in der deutschen Bevölkerung ein weitverbreiteter Folsäuremangel und bei veganer Ernährungsweise nicht selten auch ein relativer Vitamin B12-Mangel vorliegt. Denn
folsäurereiche Lebensmittel, mit denen der Folsäurebedarf leicht abgedeckt werden kann, gibt es nur wenige.
1. Gute Folsäureversorgung bei laktovegetarischer und veganer Ernährung
So ist eine gute, natürliche Folsäureversorgung bei laktovegetarischer und veganer Ernährung nur mit zwei Lebensmittelgruppen relativ einfach möglich:
Weil Hülsenfrüchte auch viel Cholin und Eiweiß enthalten und eine gute Quelle für die essenzielle Aminosäure Lysin darstellen, gehören sie zu den wichtigsten Lebensmitteln einer ausgewogenen
vegetarischen Ernährung und sollten vor allem in der veganen Ernährung nicht fehlen.
2. Gute Vitamin-B12-Versorgung bei veganer Ernährung
Natürliches Vitamin B12 (Cobalamin) wird ausschließlich von bestimmten Bakterien und Archaeen (bakterienähnlichen Organismen) synthetisiert. Leben sie in Symbiose mit bestimmten
Algen, wie Chlorellaalgen, oder Pilzen, können sie das Vitamin B12 an diese abgeben, weshalb Chlorellaalgen und einige Pilzarten natürliches Vitamin B12 enthalten können.
Bei Wiederkäuern, wie Kühen, Schafen und Ziegen, befinden sich die Vitamin-B12-bildenden Bakterien im Pansen, so dass es im Dünndarm der Tiere resorbiert werden kann und
dadurch in den Körper und die Milch gelangt. Fische nehmen das Vitamin B12 hauptsächlich über die Nahrungskette auf, in die es durch Plankton und andere Meeresorganismen mit Vitamin-B12-bildenden
Bakterien gelangt. Aus dem Grund enthalten Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte mehr oder weniger große Mengen an natürlichem Vitamin B12.
Wenn man auf tierische Lebensmittel in der Ernährung verzichtet, kann der Vitamin-B12-Bedarf deshalb auch mit Vitamin-B12-reichen Chlorellaalgen oder Pilzen abgedeckt werden, sofern diese ausreichende Vitamin-B12-Mengen enthalten und in der richtigen Dosierung aufgenommen werden. Bei der Wahl der verwendeten Chlorellaalgen und Pilze sollte aber darauf geachtet werden, dass bei der Züchtung kein synthetisches Vitamin B12 in deren Nährlösungen gegeben wird. Dies ist in der heutigen Zeit bei vielen Produkten der Fall, um deren Vitamin-B12-Gehalt zu erhöhen, ohne dass beim Endprodukt auf den zusätzlichen Gehalt von synthetischem Vitamin B12 hingewiesen wird.
